Zorn, Hass, Hatespeech, Shitstorms

412205_web_R_B_by_Thomas Max Müller_pixelio.de
412205_web_R_B_by_Thomas Max Müller_pixelio.de

Die Politik, die Kirchen und die Mainstreammedien beklagen sich zur Zeit, dass der allgemeine Hass in sozialen Netzwerken und im realen Leben deutlich zugenommen hat. Das ist auch meine Beobachtung. Wenn man es heute wagt, jemanden zu kritisieren, dann braucht man ein dickes Fell und muss notfalls die schlimmsten Beleidigungen einstecken können. Nicht selten hagelt es regelrecht Shitstorms. Wenn ich es auf YouTube einmal wage, jemand zu kritisieren, dann kann ich mich darauf einstellen, dass es sofort persönliche Abwertungen und Beleidigungen hagelt. Jeder wähnt sich im Recht. Jeder nimmt sich das Recht heraus, seine Meinung über die des anderen zu setzen, bis hin zur körperlichen Gewalt.

Es ist jedoch nicht so, dass eine Seite weniger Schuld als die andere trägt. Ein Beispiel:

Die Politik, die Kirchen und ihre Medien hetzen was das Zeug hält. Sie hetzen gegen Putin, sie hetzen gegen Trump, sie hetzen gegen Assad und letztendlich gegen die AfD und diejenigen, die nicht mit ihrer Politik einverstanden sind. Gleichzeitig hetzt der „kleine Mann“ gegen diese Oberen. Er fühlt sich hilflos, verraten und verkauft. Ihm wird einfach kein Gehör geschenkt und er wird von Politikern mit Begriffen wie „Nazi“, „Dunkeldeutschland“, „Populist“, „braune Masse“ und „Pack“ belegt. Die Oberen treten bei jedem Aufbäumen des „kleinen Mannes“ noch fester und aggressiver nach unten. Sie sind keine „Volksvertreter“, denn sie haben aufgehört etwas für das Volk zu tun. Und der „kleine Mann“ macht seinem Ärger mit Begriffen wie „Volksverräter“, „Hau ab!“ und „Lügenpresse“ am Stammtisch oder in den Kommentarspalten Luft – auch nicht in rechter Art und Weise. Hass hat heute Hochkonjunktur, die Fronten sind verhärtet. Es liegt Bürgerkrieg in der Luft. Unrecht, wohin man schaut.

Hass ist eine Art verhärteter, verfestigter, zäher Zorn. Und Zorn kommt im allgemeinen auf, wenn Unrecht vorherrscht. Auch Gott ist zornig über Ungerechtigkeit:

Röm 1,18 Denn es wird geoffenbart Gottes Zorn vom Himmel her über alle Gottlosigkeit und Ungerechtigkeit der Menschen, welche die Wahrheit durch Ungerechtigkeit aufhalten,

Jeder Mensch, der nicht durch das Blut Jesu Christi reingewaschen und erlöst ist, steht unter dem Zorn Gottes. Gott hält seinen Zorn noch zurück, noch ist Gnadenzeit, wer will kann zu Gott umkehren, aber es wird die Zeit kommen, wo Gottes Zorn über eine ungläubige Welt hereinbricht. Man lese:

Offb 6,15 Und die Könige der Erde und die Großen und die Reichen und die Heerführer und die Mächtigen und alle Knechte und alle Freien verbargen sich in den Klüften und in den Felsen der Berge, 16 und sie sprachen zu den Bergen und zu den Felsen: Fallt auf uns und verbergt uns vor dem Angesicht dessen, der auf dem Thron sitzt, und vor dem Zorn des Lammes! 17 Denn der große Tag seines Zorns ist gekommen, und wer kann bestehen?

Wenn Gott einmal seinem Zorn freien Lauf lässt, dann wird es ganz, ganz schlimm:

Hebr 10,31 Es ist schrecklich, in die Hände des lebendigen Gottes zu fallen!

Und wir?

Auch wir, die wir uns Christen nennen, kennen Zorn; ich denke, dass ich hier für jeden spreche. Für uns gilt:

Eph 4,26 Zürnt ihr, so sündigt nicht; die Sonne gehe nicht unter über eurem Zorn!

Röm 12,19 Rächt euch nicht selbst, Geliebte, sondern gebt Raum dem Zorn [Gottes]; denn es steht geschrieben: »Mein ist die Rache; ich will vergelten, spricht der Herr«.

Jak 1,19 Darum, meine geliebten Brüder, sei jeder Mensch schnell zum Hören, langsam zum Reden, langsam zum Zorn; 20 denn der Zorn des Mannes vollbringt nicht Gottes Gerechtigkeit!

Kol 3,8 Jetzt aber legt auch ihr das alles ab — Zorn, Wut, Bosheit, Lästerung, häßliche Redensarten aus eurem Mund.

Zorn über Ungerechtigkeit entsteht bei mir, wenn ich hilflos der bösen Willkür von anderen Menschen ausgesetzt bin. Er entsteht auch, wenn ich sehe, wie armen und schwächeren Menschen im Namen von Recht und Ordnung Unrecht getan wird. Zorn kommt auf, wenn ich ohn-mächtig bin, d. h. wenn ich nicht in der Lage bin, Unrecht zu beseitigen. Zorn entsteht auch bei einer Demütigung oder einer seelischen Wunde, die gerade auch von Mitchristen und Familienmitgliedern stammen können. Zorn ist an sich eine Reaktion, ein schweres, negatives Gefühl. Zorn muss keinesfalls immer gerechtfertigt sein. Es gibt auch unrechten Zorn und jeder von uns kennt diesen auch von sich selber (Mt 5,22). Meist werden wir zu unrecht zornig, wenn unser egoistisches „Ich“ beleidigt und an unserer mühsam aufgebauten schönen Fassade gekratzt wird. Auf jeden Fall jedoch sollten wir uns hüten, dass Recht selber in die Hand zu nehmen, indem wir unserem Hass völlig nachgeben, wie die vier oberen Verse uns zeigen und uns vor unkontrolliertem, zornigem Verhalten warnen.

Natürlich soll in einer christlichen Gemeinde oder Gemeinschaft, auch Gemeindezucht geübt werden (vgl. Mt 18,15-18; 1Kor 5,1-7; 2Thess 3,14).

Wir dürfen auch Unrecht beim Namen nennen und Glaubensbrüder zurechtweisen:

1Tim 5,19 Gegen einen Ältesten nimm keine Klage an, außer aufgrund von zwei oder drei Zeugen. 20 Die, welche sündigen, weise zurecht vor allen, damit sich auch die anderen fürchten.

Tit 3,9 Die törichten Streitfragen aber und Geschlechtsregister, sowie Zwistigkeiten und Auseinandersetzungen über das Gesetz meide; denn sie sind unnütz und nichtig.
10 Einen sektiererischen Menschen weise nach ein- und zweimaliger Zurechtweisung ab, 11 da du weißt, daß ein solcher verkehrt ist und sündigt und sich selbst verurteilt hat.

2Tim 4,2 Verkündige das Wort, tritt dafür ein, es sei gelegen oder ungelegen; überführe, tadle, ermahne mit aller Langmut und Belehrung!

Wir sollen, ja müssen Unrecht in Ordnung bringen, soweit es in unserer Macht liegt. Was die Bibel jedoch nicht meint, ist meiner Meinung nach, dass wir im Zorn alles kurz und klein hauen. Wie schnell ist im Zorn ein Wort gesagt, das nicht mehr zurückgenommen werden kann? Wie schnell kann jemand verletzt werden, nicht nur seelisch, sondern auch körperlich? Sind wir selber besser andere? Sind wir nicht alle Sünder? Ja, ich sage das auch zu mir! Gerade auch zu mir!

Wohin mit unsrem Zorn? Bringen wir ihn vor Gott und legen wir ihn ab!

Phil 4,6 Sorgt euch um nichts; sondern in allem laßt durch Gebet und Flehen mit Danksagung eure Anliegen vor Gott kundwerden.

Gerade in unseren Tagen, in welchen wir durch das Böse so stark herausgefordert und gereizt werden, müssen wir uns hüten, im Zorn großen Schaden anzurichten. (Ich sage das vor allem auch zu mir, gerade mir, der ich von Natur aus schnell zornig werde.)

„Herr Jesus, bitte, bitte hilf uns in rechter Weise, mit unserem Zorn fertig zu werden und ihn abzulegen. Bewahre uns vor überstürzten Worten und hilf uns, dass wir keinen Schaden, sowohl seelisch als auch körperlich, anrichten.“

Share Button

Related Post

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.